• Das Kreuz
    bei El Valle (Cádiz), 2007

    Niemand kann mir nehmen, was ich getanzt habe
    Castillo de Alfajarin (Zaragoza), 1997

  • Die Wächter
    Embalse de Almendra (Salamanca), 2007

    In einem Ort der Mancha
    Herencia (Ciudad Real), 1996

  • Windfänger
    Campo de Criptana (Ciudad Real), 2005

    Die maurische Prinzessin
    2008

  • Das Heiligtum
    Belchite (Zaragoza), 2004

    Das Martyrium
    Belchite (Zaragoza), 1998

  • Collage
    2005 - 2011

  • Die verzauberten Felsen
    bei Marcén (Huesca), 1996

    Revolution
    Minas de Riotinto (Huelva), 2007

  • Die Tochter des Teufels
    Minas de Riotinto (Huelva), 2005

    Die verschwundenen Kinder
    Rambla de Las Alcubillas (Almería), 2005

  • Der Olivenbaum
    Tabernas (Almería), 1995

    Der Duft der Mandelblüten
    Vall de Laguart (Alicante), 1999

  • Die Feuerprobe
    Embalse de Almendra (Salamanca), 2004

    Das ertrunkene Dorf
    Mediano (Huesca), 1995

Leyenda

Dieses Projekt begann, als ich im Sommer 1995 wieder durch Spanien reiste. Neben meinem Lieblingsmodell war diesmal auch ein Ballen roten Stoffes aus Berlin dabei. Die Farbe Rot hatte mir in der Fotografie schon immer gefallen und gleichzeitig passte sie gut zu Spanien auf Grund ihrer Symbolkraft und emotionalen Assoziationen. Ich hatte Lust, mit dem fließenden Rot des Tuches zu experimentieren und eine stoffliche Verbindung zwischen Frau und Landschaft herzustellen. Inspiriert von einer Sage (Leyenda), einem Märchen, der Geschichte Spaniens oder eigener Phantasien, immer getragen von einer großen Liebe zu den Landschaften abseits der Touristenströme, entwickelte sich mein Vorhaben zu einer echten Passion. Die kreative Herausforderung bestand für mich darin, für jede Fotografie eine, zur Bildidee passende, neue Stoffdrapierung zu entwickeln. So war ich bis zum Jahr 2011 immer wieder mit unterschiedlichen Modellen unterwegs, um rote Farbpunkte, Blickfängern gleich, in die verschiedensten Landschaften und Kulissen Spaniens zu setzen.

Das Rote-Tuch-Projekt "Leyenda", eine von Tiedemann sorgfältig bis ins Detail durchdachte und arrangierte Fotoarbeit sticht durch Umfang und Zeitdauer aus seinem Schaffen hervor. Auch hier arbeitet er vorzugsweise mit weiblichen Modellen, die er durch ein rotes Tuch mit Landschaften verbindet. Frühes und spätes Licht wird eingefangen - Momente der Offenbarung. Die Zeit scheint langsamer zu fließen. Der Besitz des Augenblicks, mit Geduld erwartet, bewirkt dieses Phänomen. Das unberührte, das mystische Spanien - sondierte Örtlichkeiten auf iberischer Erde, nicht menschgeformt, nicht heimgesucht und umgekrempelt.
Daneben Fragmente von Menschenwerk: Mühlen in der La Mancha, Bergwerksminen am Rio Tinto oder die Ruinen von Mediano und Belchite - aufgegeben, zerstört, zurückgeholt von der Natur. Was bleibt sind die Legenden die sich die Hirten am Feuer erzählen und unsere Phantasie. Schnee, Mandelblüte, Reife, dann Staub, oder Wasser als sichtliches Lebenselixier - immer spiegelt sich in den Fotografien ein Hauch von Vergehen und Wiedergeburt. Leben, Tod, und Erotik sind kraftvoll oder zart gegenwärtig, sind Spanien. Bezwingend ist die schöne Melancholie der Bilder, die ohne Emotionen nicht denkbar wäre. Auch dafür steht das Tuch, das gleichsam wie ein roter Faden durch das gesamte Werk führt, einem symbolischen Band gleich.

Rainer Maria Engelhardt